Extreme Hitze, austrocknende Böden und plötzlicher Starkregen sind nur einige der vielen Herausforderungen, gegen die Weinbäuerinnen und Weinbauern Jahr für Jahr immer mehr ankämpfen. Diese und andere Folgen des Klimawandels zeigen bereits Auswirkungen auf die Qualität und den Geschmack des Weines: die Säuregehalte sinken, während sich die Zucker- und Alkoholgehalte erhöhen. Wie geht’s nun weiter?
Zukunft des weinbaues sichern: Auftaktsworkshop voller Visionen
Wie kann man den Weinbau im Retzer Land nachhaltig und angepasst an das extremer werdende Klima fortführen?
Um Antworten auf diese Frage zu erörtern, lud die Klimamodellregion Retzer Land gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn eine Gruppe von WinzerInnen zu einem Workshop in den Verkostungsraum des Landesweingutes Retz ein. Nach einem informativen Einblick in die Problematik durch DI Florian Hanousek, Weinbaulehrer an der LFS, ging es an die Ideenfindung. Die TeilnehmerInnen sammelten und diskutierten in kleinen Gruppen Ideen, wie sie auch in Zukunft ihre Weingärten gesund halten, die Bodenfruchtbarkeit verbessern und die hohe Qualität der Weine sichern wollen.
Wichtig ist auf jeden Fall: Niederschlagswasser in der Region zu halten, eine kluge Bewirtschaftung von Biodiversitätsflächen und flexibles Laubwand- und Bodenbearbeitungsmanagement. Einige der zahlreichen, gesammelten Maßnahmen werden noch dieses Jahr auf Versuchsflächen der LFS Hollabrunn und teils von den WinzerInnen selbst umgesetzt, um die Ergebnisse schon bald gemeinsam besichtigen und weitere Schritte ableiten zu können.
Weingartenbegehung am Altenberg
inkl. Besichtigung der Versuchsflächen
Der Weinbau ist identitätsstiftend für das Retzer Land und darüber hinaus – damit das auch in Zukunft so bleiben kann, sind Anpassungen an die Folgen der immer spürbarer werdenden klimatischen Veränderungen notwendig. Bodenschutz, Wasserrückhalt im Weingarten und am Feld sowie Anpassungen im Laubwandmanagement sind nur einige Beispiele davon.
Das Thema bewegt die Winzerinnen und Winzer: so durften die Landwirtschaftliche Fachschule (LFS) Hollabrunn gemeinsam mit der Klimamodellregion Retzer Land zahlreiche Gäste zur gemeinsamen Weingartenbegehung am Landesweingut Retz, Gut Altenberg, begrüßen. Mit dabei waren auch Landesgüterdirektor Erhard Kührer und der Retzer Bürgermeister Stefan Lang.
Florian Hanousek, Weinbaulehrer und Versuchskoordinator der LFS, gab Einblicke in aktuelle Themen des Weinbaus und die laufenden Arbeiten im Landesweingut. Besonderes Augenmerk legte er auf verschiedene Versuche rund um nachhaltige Weingartenbewirtschaftung.
Im Anschluss stellte Gregor Danzinger, Manager der Klimamodellregion Retzer Land, das gemeinsame Projekt „Klimawandelanpassung im Weinbau“ vor. In einem Auftaktworkshop im Februar wurden mit Winzerinnen und Winzern aus der Region erste Ideen und Maßnahmen entwickelt, um den Weinbau nachhaltig und angepasst an das extremer werdende Klima fortzuführen. Die ersten dieser Maßnahmen werden derzeit sowohl auf Versuchsflächen des Landesweinguts als auch direkt in den Betrieben der WinzerInnen umgesetzt. Die Klimamodellregion finanzierte ein innovatives Chlorophyllmessgerät, um damit ein Monitoring zu gewährleisten und die ersten Ergebnisse der Versuche sichtbar zu machen. Dazu wird die Nährstoffversorgung in den Blättern gemessen und dokumentiert.
Bei der abschließenden Weinverkostung gab es Proben der aktuellen Versuchsweine, was interessante Geschmacksunterschiede je nach durchgeführter Maßnahme im Weingarten offenbarte.
Weinbau im Umbruch:
Humusaufbau und Wasserrückhalt sind zentral
Wie kann man den Weinbau im Retzer Land nachhaltig und angepasst an das extremer werdende Klima fortführen?
Dieser Frage widmete sich der stark besuchte Themenabend „Weinbau im Umbruch – Überblick & Ausblick“, zu dem die Klimamodellregion Retzer Land gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn ins Retzbacher RE.KU.RA geladen hatte.
Bereits zum Einstieg wurde klar: Die Auswirkungen des Klimawandels sind für Winzerinnen und Winzer deutlich spürbar. Eine interaktive Mentimeter-Abfrage zeigte, dass Trockenstress, Wetterextreme und Ernteverschiebungen die Region längst erreicht haben.
Den wissenschaftlichen Auftakt machte Assoc. Prof. Dr. Michaela Griesser (BOKU Wien). Sie veranschaulichte, wie eng die Interaktion zwischen Pflanzen, Unterlagsreben und Früchten mit klimatischen Veränderungen verbunden ist – und dass die Weinreben bereits jetzt zunehmend unter Stress stehen. Anpassungsmaßnahmen müssen daher rasch entwickelt und umgesetzt werden, da sich dieser Stress zweifellos in Zukunft verschärfen wird.
Im Anschluss präsentierte Dr. Wilhelm Graiss (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) das internationale Projekt LIFE VineAdapt, das Strategien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Weingartenökosystemen entwickelt hat. Eine der Versuchsflächen für artenreiche Weingartenbegrünung liegt sogar im nahen Weinbaugebiet Wagram – die erfolgreichen Versuchsergebnisse machen Mut, dies auch im Retzer Land zu wiederholen.
Den regionalen Praxisbezug schuf DI Florian Hanousek (LFS Hollabrunn), der die gemeinsame Initiative „Zukunft des Weinbaus“ mit der Klimamodellregion Retzer Land vorstellte. Rund 20 Winzerinnen und Winzer erörterten in einem Workshop bereits diverse Anpassungsmaßnahmen – von Laubwandmanagement bis zu Begrünungsversuchen. Einige WinzerInnen setzen bereits erste Laubwandversuche um, die Gruppe will nächstes Jahr auch eine Exkursion zu den Begrünungsflächen im Wagram organisieren.
„Die wichtigsten Hebel für eine erfolgreiche Anpassung sind ganz klar: Humusaufbau und Wasserrückhalt“
waren sich die Experten auf die Abschlussfrage einig. Gregor Danzinger sieht dadurch eine weitere Initiative der Klimamodellregion bestätigt: „Im Rahmen unseres WIWA-Projektbündels setzen die Retzer Land Gemeinden bereits 15 lokale Wasserrückhaltemaßnahmen um, in welchen Niederschlagswasser gespeichert, verdunstet und versickert wird. Davon profitiert die ganze Region, insbesondere die Landwirte.“ Bisher wurden die Rückhaltemaßnahmen nur auf öffentlichen Flächen umgesetzt, zukünftig ist die Region auch auf die Bereitschaft von privaten Grundstücksbesitzern angewiesen, um hier eine großflächige Verbesserung zu erwirken.
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