Weinbau im Umbruch: Humusaufbau und Wasserrückhalt sind zentral

© Wolfgang Hanousek: v.l.n.r. Gregor Danzinger und Lea Schönberger mit den Vortragenden Wilhelm Graiss, Michaela Griesser und Florian Hanousek und dem Retzbacher Bürgermeister Roland Toifl

Wie bleibt der Weinbau im Retzer Land auch in Zukunft identitätsstiftend und wirtschaftlich tragfähig? Dieser Frage widmete sich der stark besuchte Themenabend „Weinbau im Umbruch – Überblick & Ausblick“, zu dem die Klimamodellregion Retzer Land gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn ins Retzbacher RE.KU.RA geladen hatte.

Bereits zum Einstieg wurde klar: Die Auswirkungen des Klimawandels sind für Winzerinnen und Winzer deutlich spürbar. Eine interaktive Mentimeter-Abfrage zeigte, dass Trockenstress, Wetterextreme und Ernteverschiebungen die Region längst erreicht haben.

Aktuelle Forschung: Klimawandel ist im Weingarten angekommen

Den wissenschaftlichen Auftakt machte Assoc. Prof. Dr. Michaela Griesser (BOKU Wien). Sie veranschaulichte, wie eng die Interaktion zwischen Pflanzen, Unterlagsreben und Früchten mit klimatischen Veränderungen verbunden ist – und dass die Weinreben bereits jetzt zunehmend unter Stress stehen. Anpassungsmaßnahmen müssen daher rasch entwickelt und umgesetzt werden, da sich dieser Stress zweifellos in Zukunft verschärfen wird.

Ein europäisches Vorzeigeprojekt für resilienten Weinbau

Im Anschluss präsentierte Dr. Wilhelm Graiss (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) das internationale Projekt LIFE VineAdapt, das Strategien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Weingartenökosystemen entwickelt hat. Eine der Versuchsflächen für artenreiche Weingartenbegrünung liegt sogar im nahen Weinbaugebiet Wagram – die erfolgreichen Versuchsergebnisse machen Mut, dies auch im Retzer Land zu wiederholen.

Regionale Umsetzung: Retzer Land startet Initiative „Zukunft des Weinbaus“

Den regionalen Praxisbezug schuf DI Florian Hanousek (LFS Hollabrunn), der die gemeinsame Initiative „Zukunft des Weinbaus“ mit der Klimamodellregion Retzer Land vorstellte. Rund 20 Winzerinnen und Winzer erörterten in einem Workshop bereits diverse Anpassungsmaßnahmen – von Laubwandmanagement bis zu Begrünungsversuchen. Einige WinzerInnen setzen bereits erste Laubwandversuche um, die Gruppe will nächstes Jahr auch eine Exkursion zu den Begrünungsflächen im Wagram organisieren.

Die wichtigsten Hebel für eine erfolgreiche Anpassung sind ganz klar: Humusaufbau und Wasserrückhalt“

waren sich die Experten auf die Abschlussfrage einhellig einig. Gregor Danzinger sieht dadurch eine weitere Initiative der Klimamodellregion bestätigt: „Im Rahmen unseres WIWA-Projektbündels setzen die Retzer Land Gemeinden bereits 15 lokale Wasserrückhaltemaßnahmen um, in welchen Niederschlagswasser gespeichert, verdunstet und versickert wird. Davon profitiert die ganze Region, insbesondere die Landwirte.“ Bisher wurden die Rückhaltemaßnahmen nur auf öffentlichen Flächen umgesetzt, zukünftig ist die Region auch auf die Bereitschaft von privaten Grundstücksbesitzern angewiesen, um hier eine großflächige Verbesserung zu erwirken.