
Der Weinbau im Retzer Land steht unter Druck: Längere Trockenperioden, zunehmende Hitze und Starkregenereignisse machen den Winzer:innen zu schaffen. Besonders problematisch ist dabei die Bodenerosion. Wenn Regen in kurzer Zeit auf ausgetrocknete Böden trifft, wird wertvoller Oberboden abgeschwemmt und langfristig die Fruchtbarkeit der Weingärten gefährdet.
Um Lösungen für diese Herausforderungen kennenzulernen, organisierte die Klimamodellregion Retzer Land gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Fachschule Hollabrunn eine Exkursion nach Fels am Wagram. Dort wurde interessierten Winzer:innen und Schüler:innen das Best-Practice-Projekt „Klimafitte mehrjährige Begrünung im Weingarten“ vorgestellt.
Mehrjährige Begrünungen für widerstandsfähige Weingärten
Das Projekt wurde im April 2021 von der KLAR! Wagram in Kooperation mit der HBLA Klosterneuburg sowie der HBLFA Raumberg-Gumpenstein gestartet und hat das Ziel, mehrjährige Begrünungen in den Weingärten zu etablieren. Dafür wurden mittels Umkehrfräse und geteiltem Säkasten drei Begrünungsvarianten angelegt: eine artenreiche Mischung aus Kräutern und Leguminosen, eine Klee-Mischung sowie eine Kräuter-Mischung. Die Begrünungsmischungen wurden zwischen den Fahrspuren ausgebracht, während in den Fahrspuren robustes Raygras wächst. Diese Kombination sorgt für eine gute Befahrbarkeit und gleichzeitig für einen dauerhaft begrünten Boden. Die Pflege ist einfach gestaltet: Ein- bis zweimal pro Jahr wird hoch gemulcht, damit die Pflanzen aussamen und sich selbst erhalten können.
Erfolgreiche Ergebnisse nach fünf Jahren
Nach fünf Jahren zeigt das Projekt noch immer beachtliche Ergebnisse: Die artenreiche Mischung weist rund 70% Bodenbedeckung auf und etwa zwei Drittel der ursprünglich ausgesäten Arten sind weiterhin zu finden. Auch die anderen beiden Begrünungsmischungen erweisen sich als deutlich stabiler als Standardbegrünungen. Das Raygras in den Fahrspuren zeigt sich als besonders widerstandsfähig gegenüber regelmäßiger Befahrung.
Neben dem Schutz vor Bodenerosion fördern die Begrünungen die Biodiversität und verbessern die Bodenstruktur. Gleichzeitig reduzieren sie sowohl Überfahrten als auch den Pflegeaufwand, da keine jährliche Neuansaat notwendig ist. Besonders interessant für trockene Regionen: „Wasserkonkurrenz zwischen Begrünung und Reben ist zum Glück kein Problem“, betont Winzer Franz Paschinger. Allen die das nicht glauben rät er: „Begrünungen einfach selbst ausprobieren! So habe ich auch gestartet – und gemerkt, dass es hervorragend funktioniert.“
Ein Blick hinter die Kulissen der Fassherstellung
Im Anschluss besuchte die Gruppe die Fassbinderei G. Benninger in Grafenwörth. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die einzelnen Arbeitsschritte der Fassherstellung und lernten die traditionelle Handwerkskunst hinter der Produktion von Holzfässern kennen.
Mehr Infos zu unserem Projekt „Klimawandelanpassung im Weinbau“: https://www.unser-klima.at/unsere-projekte/weinbau-im-klimawandel/




